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Der Todes-Drachen

von Paukenfrosch, 04.06.2009 - Alle Rezensionen dieses Mitglieds ansehen

Ohne viel Umschweife kommt es in diesem Krimi zu dem besagten Mord an Ferdinand Huebner. Kriminalhauptkommissar Lasse Larsson, den man bereits in "Die Jagd auf den Inselmörder" liebgewonnen hat, stellt sein Team zusammen, welches man ebenfalls aus dem ersten Usedom-Krimi kennt. Neu hinzu kommt Monika Landris, eine Polizeiobermeisterin aus Heringsdorf.
Das ermittelnde Team stürzt sich umgehend in die Recherchen. Da Ferdinand Huebner in Singen zu Hause war, reist Lasse natürlich auch an den Bodensee, um dort in Huebners Umfeld Informationen einzuholen.

Ferdinand Huebner war kommissarischer Baudezernat. Sein vom Vater geerbtes Autohaus führte er in den Ruin, denn er war auch spielsüchtig und in vielen Casinos bekannt. Es gibt eine Verbindung zu einer Finanzservice GmbH und auch zur chinesischen Mafia. Und seine Frau geht auch noch fremd. Wo genau ist nun der Mörder Huebners zu suchen? Spuren legt George Tenner viele. Welche führt ans Ziel?
Von Anfang an ist man an das Buch gefesselt. Da die Suche nach dem Mörder in mehrere Richtungen führt und die Person Ferdinand Huebner von allen Seiten beleuchtet wird, saugt man jedes akribisch ermittelte Ergebnis in sich auf. Doch das Puzzel hat viele Teile und fügt sich nur langsam, aber stetig zusammen. Somit ist ständig dafür gesorgt, daß sich die Spannungsspirale dreht und der Leser nicht mehr vom Buch lassen kann.

Alle ausgelegten Fäden laufen zum Ende des Buches zusammen. Die Auflösung des Falles ist verblüffend. Lasse Larsson und sein Team haben mal wieder sehr gute Arbeit geleistet, auch wenn sie letztendlich den aufgeklärten Fall ans BKA abgeben müssen.
Der in diesem Buch beschriebene Fall ist sehr spannend und fesselnd. Doch wer George Tenner´s andere Bücher kennt, weiß, daß sie sehr vielschichtig sind. So wird Lasse während der Ermittlungen auch noch von seiner Berliner Vergangenheit eingeholt. Vater und Sohn Arasücü tauchen in Heringsdorf auf und auf Lasse wird geschossen.

Einerseits sieht Lasse somit dem Tod ins Auge, doch auf der anderen Seite verliebt er sich in eine Kollegin. Auch diese Geschichte verfolgt man als Leser mit und ist gespannt, wie sie sich entwickeln wird.
In diesem Roman werden aber auch viele Themen angesprochen, die den Leser zum Nachdenken anregen. Es geht um die Chinesische Mafia, um Schutzgelderpressung, Menschen-, Drogen- und Zigarettenhandel. Es geht um Glücksspiel, Korruption im Amt, um Aktivitäten von Neonazis und vieles mehr. All diese Themen werden angesprochen, teilweise mit Ausschnitten aus Zeitungsartikeln belegt und gekonnt in den Roman mit eingebaut.

Besonderes Hauptaugenmerk hat der Autor in seinem Buch auf die Triaden gelegt, da sie von großer Bedeutung für den Kriminalfall sind. Von den Triaden gibt es in China ca. 5000, sie sind mit der Mafia vergleichbar sind. Die K14-Triade nimmt hierbei einen besonderen Stellenwert ein. Auch werden Machenschaften zwischen den Chinesen und den Vietnamesen offengelegt. Eine Textstelle fand ich diesbezüglich besonders interessant:
"Bei Bandenkriegen konkurrierender Gangs der vietnamesischen Zigarettenmafia wurden beispielsweise Ende März 1995 fünf Vietnamesen in einem
Wohnheim der Berliner Plattensiedlung Marzahn hingerichtet."

Marzahn - das ist bei mir gleich um die Ecke und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als mir damals diese Nachricht zu Ohren kam. Doch es gibt noch weitere ähnliche Nachrichten über tätsächliche Vorfälle aus Halle und Hamburg, die George Tenner in diesem Buch erwähnt.
Das Buch gibt jedoch nicht nur politische Denkanstöße. George Tenner läßt hier auch wieder sehr viel Persönliches einfließen. So hängt zum Beispiel bei Monika Landris in der Wohnung ein Gemälde des Dresdner Malers Helmut Schmidt-Kirstein, Tenners Vater. Lasse kocht auch für sich und seine neue Liebe, wobei bei der Beschreibung erkennbar ist, daß George Tenner selbst leidenschaftlich gern kocht, was er auch auf seiner Homepage www.george-tenner.de angibt. Dazu mal folgende Textpassage:

"Larsson setzte das Sauerkraut auf und köchelte es zwanzig Minuten. Es war die Zeit, die die Kartoffeln brauchten, um weich zu werden. Er wusch die Fische, trocknete sie ab und würzte sie mit Pfeffer und Salz. Die Hautseite melierte er leicht. In der gusseisernen Pfanne briet er den Fisch langsam auf der Haut. Die Kartoffeln waren schnell gepellt und in einem kleinen Topf mit ein wenig Butter warm gestellt. Er goss die letzten Tropfen Wasser vom Kraut ab und zog das Drittel eines Stückes Butter darunter. Dann hob er vorsichtig die Schinkenwürfel unter das Kraut, das nun nicht mehr auf dem Feuer stand."
Na, da bekommt man doch Appetit, oder?

Nicht zuletzt sind auch die einzelnen Ortsbeschreibungen sehr gut gelungen. Egal, ob man sich nun auf Usedom, am Bodensee, in oder in der Nähe von Berlin befindet - es sind alles Orte, die der Schriftsteller persönlich sehr gut kennt, was man beim Lesen auch bemerkt. Hierbei fand ich nun ganz besonders witzig, daß auch die Feinschmeckeretage des KaDeWe´s erwähnt wird, durch welche Lasse mit seiner Liebsten zwei Stunden lang schlendert, denn hin und wieder darf ich dort arbeiten und somit kenne ich diese so genannte "Fressmeile" sehr gut. Doch auch wenn Lasse Larsson zum Nachdenken auf die Seebrücke in Heringsdorf geht, dann fühlt man sich regelrecht heimisch.
So vielschichtig und informationsreich dieser Krimi auch ist, man verliert nie den Faden und kann jedem einzelnen Handlungsstrang in diesem Buch folgen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und stets erfährt man etwas Neues, so daß man große Freude beim Lesen hat und regelrecht animiert ist, ständig weiterzulesen. Der Personenkreis bleibt überschaubar, man kann die einzelnen Verbindungen zwischen den Personen gut nachvollziehen. Schön fand ich, daß man Lasse und sein Team nun noch etwas besser kennengelernt hat. Da bleibt es nur zu hoffen, daß es weitere Morde auf Usedom geben wird, zu deren Aufklärung das Team um Lasse Larsson hinzugezogen wird.

Berühmte erste Worte

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aus "Das Einhorn Batou"
von Carola Kickers (Autor)

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