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Rote Gladiolen auf Usedom

von DagSonja, 02.06.2009 - Alle Rezensionen dieses Mitglieds ansehen

Es beginnt diesmal etwas Mysteriös. Als Leser wird man sofort in die Geschichte geworfen, indem man mit einer Person eine heikle Szene erlebt. Was da wirklich abgelaufen ist, das klärt sich allerdings erst später und wird in geduldiger Ermittlungsarbeit wie ein Puzzle zusammenfügt werden. Diese beginnt auch gleich im nächsten Kapitel. Ein Mann wird im Innenhof einer Kurklinik tot aufgefunden, offensichtlich ist er aus dem siebten Stock gefallen - oder gestoßen worden. Das ruft natürlich Lasse Larsson und sein Team auf den Plan, besser aus dem Bett, denn der Anruf erreicht ihn mitten in der Nacht. Nach der Untersuchung der Spurensicherung wird klar: es war kein Unfall.
Sogleich beginnt eine umfassende Recherche. Wer war der Mann, von wo war er angereist, was haben die Gäste des Hotels gesehen oder gehört? Mit welchen Personen er hatte Kontakt? Welches mögliche Motiv und von wem gibt es für die Tat und was hat es mit den roten Gladiolen auf sich, die nicht das Hotelpersonal in sein Zimmer gestellt hat?

Eine mögliche Spur führt ihn nach Singen und Konstanz am Bodensee. Lasse Larsson und sein Team finden schnell heraus, dass er Spielschulden hatte und seine Autofirma in die Pleite getrieben hatte. Als kommissarischer Bauleiter hatte er sich verspekuliert, somit könnten es also Geldgeier gewesen sein, die es aus diesen zwei Gründen auf sein Leben abgesehen hatten. Bei der Befragung der Gäste im Hotel gab es widersprüchliche Informationen, was den Hergang betraf. Auffällig war jedoch, dass ein Teil des Personals nicht auffindbar war. Dabei handelte es sich um Vietnamesen. Durch die Ermittlungen erfuhren Lasse Larsson und sein Team von Kontakten mit Chinesen, die in mehreren Casinos mit ihm zusammen trafen. Können Sie dort vielleicht ansetzen? Aber gibt es da wirklich einen möglichen Zusammenhang?
In seinem unmittelbaren Umfeld gibt es ebenfalls Leute, die Ferdinand Huebner kannte, zum Beispiel die Finanzfirma, die mit Bestechungsgeldern handelte oder auch der Freund seiner Frau, mit dem sie ihn betrog. Sie hatten also mehrere Verdächtige und ebenso viele Motive. Oder waren es doch die Spielschulden, die so zwangsläufig zu seinem Ableben führten? Fragen über Fragen.

Lasse Larsson und sein Team hatte also eine Menge Arbeit zu bewältigen. Er konnte durchsetzen, dass die Kollegin Monika Landris aus einer anderen Abteilung zu seiner Gruppe hinzugezogen wurde. Mit ihr und Lasse entwickelt sich innerhalb des Buches eine ganz besondere Beziehung, mit deren Entscheidung er zu kämpfen hat. Denn er bildet sich ein, nicht verbindungsfähig zu sein und hat wohl Angst vor der eigenen Courage. Man darf also gespannt sein.

Erschwert werden die Ermittlungen durch einen Mordanschlag auf den Kommissar durch einen türkischen Mann, der Lasse gleichzeitig mit seiner Berliner Vergangenheit konfrontiert. Er hatte damals seinen Bruder niederschlagen müssen, aus Notwehr. Nun will der Bruder Rache. Zunächst ist der Vater kooperativ und warnt ihn. Bevor das Team die Gefahr von Lasse abgewendet hat, gibt es noch einige Hürden zu überwinden. Während der Recherchen zum Mordfall am Hotel kommen einige Dinge zum Vorschein, von denen ich persönlich noch nie gehört habe. Lasse Larsson lässt sich den Zusammenhang von Vietnamesen und Chinesen in Bezug auf chinesische Mafia und Triaden näher erklären. Dies ist eine Sache für sich und diese Leute sind kreuzgefährlich, wenn sie einmal verärgert sind. Außerdem erfährt der Leser, wie ein Roulette funktioniert und welche Möglichkeiten es zur Manipulation gibt. Die ausführliche Rechnung, die der Groupier ihm aufmacht, habe ich immer noch nicht verstanden, was dieses Spiel und die Zufälle der gewonnenen Zahlen betrifft. Das hört sich kompliziert an.

Eine weitere höchst interessante Stelle im Buch erklärt die Rolle der Luftbrücke in Berlin, die sehr detailliert dargestellt wird. Es ist dem Autor anzumerken, dass er Journalist ist und über gut recherchiertes Wissen verfügt, das er in seine Fälle mit einbaut und nutzt. Ebenso ist auffällig, die Schauplätze sind wieder ortskundig fundiert und geben einen Teil des Lebens wieder, so wie es sich dort abspielt. Dabei kommen die Beschreibung der Landschaft und die Authentizität der Lokalitäten nicht zu kurz. Als Leser ist es möglich, alles Geschriebene nachzuvollziehen und mit Lasse Larsson mitzugehen, egal, wo er sich auch gerade befinden mag. Er scheint auch gern in die Bäckerei Junge zu gehen und trinkt gern Kaffee. Wer gerne ein Rezept nachkochen möchte, der schaut auf Seite 170 nach und lässt sich überraschen. Mir ist das Wasser im Mund zusammen gelaufen.

Im Team um Lasse Larsson hat jeder seine Aufgaben, die jeden Tag verteilt werden und ist ständig bemüht, diese mit Enthusiasmus zu erfüllen. Gilt es doch, einen mutmaßlichen Täter dingfest zu machen, bei dem die Gefährlichkeit nicht zu unterschätzen ist. Nicht zu vergessen die Gerichtsmedizin, die Blutspuren und DNA sowie Stoffreste überprüft sowie die KTU, dessen Leiter immer einen Wilhelm-Busch-Spruch auf den Lippen hat, um die Situation zu entkräften: Zum Beispiel hat mich dieser hier zum Schmunzeln gebracht, trotz des ernsten Hintergrundes:

Zitat:
"Hier strotzt die Backe voller Saft,
da hängt die Hand, gefüllt mit Kraft.
Die Kraft, infolge der Erregung,
verwandelt sich in Schwungbewegung.
Bewegung, die in schnellem Blitze,
zur Backe eilt, wird hier zur Hitze.
Ohrfeige heißt man diese Handlung,
der Forscher nennt es Kraftverwandlung."

Aber auch das BKA und LKA sowie SEK und das MEK sind mit gefragt. Letzteres hat mit zu einer Festnahme beigetragen. Danach war es Lasse Larsson etwas wohler und er konnte zu seinem aktuellen Fall uneingeschränkt zurückkehren. Durch die Klärung dieser Angelegenheit wurde der Kreis zu Berlin und LL seiner Vergangenheit geschlossen. In Mordfall Huebner werden die Ermittlungen zur Aufklärung nun noch erschwert durch einen Doppelgänger, den ein Zeuge zu sehen geglaubt hat sowie die verschiedenen Namen, die eine Person benutzt. Insgesamt gibt es auch mehrere mögliche Täter und viele Leute, die einen bestimmten Part im Fall einnehmen. Irritiert haben mich persönlich die ähnlichen chinesischen Namen, die darin involviert waren.
Sie tragen alle Fakten zusammen, die sie haben: Zeitungsausschnitte, Protokolle, Verhöre, Fotos, Emails, Auskünfte eines Experten zur Szene, Beobachtungen, Observierungen, Befragungen der Nachbarn, die Leute der Finanzfirma, der betrogene Ehemann, verschiedene Videobänder in den Casinos, Pressemeldungen. Zu Hilfe kommt ihnen dann eine Aussage der untergetauchten Vietnamesin, die Lasse Larsson und sein Team letztendlich die heiße Spur bringt. Denn in der Zwischenzeit haben sie noch einen Mordfall aufzuklären, der in eine neue, aber auflösende Richtung geht. Dabei spielt die Vietnamesin eine nicht unbedeutende Rolle.

Beendet wird der Fall mit der Demonstration des Falles im BKA, infolge dessen und auf Grund der Tragweite des Ganzen, Lasse Larsson den Mordfall Huebner nun abgibt. Im Epilog wird deutlich, wie gefährlich diese Leute sind. Denn es geschieht, was kommen musste…

Insgesamt ist dies wieder ein kompakter Krimi, der viel politische Berichterstattung und politische Hintergründe aufdeckt, die sogar bis Berlin in meinen nächstgelegenen Stadtbezirk reichen. Dem Autor ist es wieder gelungen, einen komplexen Roman fertig zu stellen, mit geballter Information aktuellen Geschehens, verarbeitete Vergangenheit und Weisung in die Zukunft - in Form eines Krimis, der spannend ist bis zum Ende. Wobei der Fall irgendwie verläuft, auch wenn das Geschehen insgesamt schlüssig ist.


Berühmte erste Worte

Für jene, die mir Stütze und Inspiration waren: Meinen Eltern und GeschwisternErstes Kapitel: Stand der Dinge Blaine DeVere hatte keine Lust sich um die mannshohen Killerinsekten zu kümmern, die ihm angriffslustig den Weg versperrten - er hatte wirklich größere Sorgen.

aus "Zwischen allen Fronten - Der Trickser Zyklus Teil 2"
von Ulli Schwan (Autor)

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