Der Mischer

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Nochmal mischen!
Und jene, die irre gehen, lassen die Vorsicht fallen und werden mit den Zwangsmitteln der Gesellschaft von hier ferngehalten. Hier ist alles anwesend, hier fühlen Sie in guten Momenten alles, was je gedacht wurde, hier gibt es keine Toten. Menschen werden geboren und strukturieren durch ihr Tun und Denken das mentale Feld. Selbst wenn diese Strukturen verwischt werden, bleiben irgendwo Spuren, aus denen sich jeder Geist rekonstruieren lässt. Spekulation, möchten Sie tanzen? Der Pilger und die Dame warteten, bis das skelettene Ensemble das Stück beendet hatte, um ein neues anzustimmen, einen schweren Tanz der Vampire. Der Raum schwamm in rotem Licht und die Zähne des ewigen Durstes schlagen sich wieder in den Hals der Welt. Code. Im rötlichen Sinnlicht der Stunde, der Leib der Wahrheit entblößt ...

aus "Niemand"
von Hans-Jörg Fröscher-Routier (Autor)

Fliegen. Ich will also vom Fliegen in jenem metaphorischen Zusammenhang sprechen, der ein Gefühl der Leichtigkeit und Freiheit mit sich führt. Wir flogen gemeinsam durch das Leben. Stunden, Tage, sogar Wochen. Gemeinsam konnten wir die Lasten der Umwelt ablegen und fast ohne Antrieb in die Lüfte steigen. Aber jeden Tag hörte dieser Flug abrupt auf, jeden Tag wurde uns aufs Neue bewusst, dass ein Höhenflug keineswegs die notwendige Kilometeranzahl einer zurückgelegten Strecke ersetzen kann. Jeden Tag bemerkten wir den gleichen harten Aufprall, der uns die Rückkehr zur Erde ankündigte- unvermittelt, unangenehm, schmerzhaft. Immer traf er uns mit einer Wucht, wie es sie nur geben kann, wenn ein Passagier sich wie in einem Zustand der Trance befindet und nicht mit der bereits angekündigten Landung rechnet ...

aus "Gedankenflug"
von Sophie Streibl (Autor)

Du quältest dich verbissen als dein eigener Tyrann mit allen Attributen die ich nicht leiden kann du bist ein dicker infantiler kleinkarierter Riesenzwerg und auf deiner Stirn klebt durchgeschwitzt dein hirnverdrehtes Regelwerk es ist aus - du fliegst jetzt raus ...

aus "Gammlergesänge und Gitschiner Melogien"
von Zartelli (Autor)

Der Zeitungsartikel ist vergessen. Siggi geht auch nicht in die Konditorei. Heute wird er keinen Baumkuchen bestreichen. Keine Marmelade in Berliner spritzen. Heute muss er sich um seine Eltern kümmern. Der Gedanke kommt ihm heroisch vor. Irgendwie erhebend. Dadurch wird die Trauer überdeckt. Er kommt mit seinen Gefühlen nicht klar. Einerseits schießen ihm die Tränen in die Augen, andererseits spürt er den Schmerz nicht wirklich. Es ist nur wie ein fernes Klopfen gegen eine verschlossene Tür. Vordringlich erscheint ihm, dass seine Eltern ihn jetzt brauchen. Seine Kraft. Seine Klarheit. Seinen Schutz. Besonders Mutter. Der Vater weint nicht. Er ist wie versteinert. Die Brille sitzt schief auf seiner Nase. Sie droht hinunterzufallen. Er bemerkt es nicht. Er hockt nur im Sessel und sieht mit unbeweglichen Augen aus dem Fenster. Mutter hat sich auf der Toilette eingeschlossen. Erst als Siggi es schafft, einen Arm um seinen Vater zu legen, kommt Bewegung in seinen Körper. Schmidtmüller beginnt zu zittern. Sein Kopf läuft rot an. Die Schläfen pochen. Es sieht aus, als säßen Würmer unter der Haut, die versuchen, durch die Knochen ins Innere des Kopfes zu kriechen ...

aus "Samstags, wenn Krieg ist"
von Klaus-Peter Wolf (Autor)

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